Da ist er nun. Der 15. Oktober 2013, mein 30. Geburtstag. Wobei ich diese Zeilen einen Tag vorher schreibe, da ich Morgen freilich keine Zeit dazu haben werde. Dennoch ist es an der Zeit ein Resümee zu ziehen. Allerdings nur ein kleines, denn ich bin zurzeit nicht bei bester Laune. Der Grund ist mein rechtes Auge, dass seit Wochen stark schmerzt und entweder extrem unscharf oder absolut gar nichts mehr erkennen kann. Ihr könnt euch vorstellen wie schwer nahezu alles im Leben dadurch wird. Egal, ob beim einkaufen, im Haushalt, im Straßenverkehr, im Büro, beim Computer spielen, beim kochen… nahezu alles erfordert volle Sehkraft und die habe ich momentan nicht. Zumal mein linkes Auge langsam auch anfängt weh zu tun. Aber warum ist das so?

Die Antwort liegt wie immer in der Graft versus Host Disease. Die fremden Stammzellen – dank denen ich noch lebe – laufen Amok und nach dem Schleimhäute, Lunge und Leber angegriffen wurden, sind nun die Tränendrüsen und die Augenhornhaut dran.  So entstand vor etwa zwei Monaten eine Hornhautersosio bei mir. Nach unzähligen Salben und Tropfen (Floxal, Atropin, Isopto-Max) und Tabletten wie Cortison und Certican, um nur ein paar wenige davon zu nennen, entschied man sich ein Amnio-Membran-Transplantat auf das rechte Auge anzubringen. Da die ambulante OP missglückte, legte man das Amnio-Membran in eine Illig-Schale, die leider zwei Tage später rausfiel. Heute bekam ich deswegen wieder eine Verbandskontaktlinse und werde Donnertag ein neues Amnio-Membran mit Illig-Schale bekommen. Diesmal etwas kleiner und hoffentlich weniger störend. Denn auch wenn ich das Auge komplett geschlossen halte, bin ich kein Chamäleon und meine Augen bewegen sich nun einmal gleichzeitig. Und dann merkt man wie die Illig-Schale zwischen Lid und Augapfel reibt und das ist echt nicht angenehm! Und komplett verbinden kann man es nicht, denn wie eingangs erwähnt, sind die Tränendrüsen zu und ich muss im 10-Minutentakt Artelac und Hylo-Parin nachtropfen.

An dieser Stelle sollte eigentlich nun mein Resümee folgen, aber ihr könnt euch denken, dass mir das Schreiben sehr schwerfällt und ich mich jetzt gerne wieder hinlegen würde. (Rechtschreibefehler entferne ich irgendwann später.) Nur eins noch: Ich bin verdammt froh die Stammzellen zu haben! Einige Bekanntschaften aus der Uni-Klinik schafften es nicht. Entweder verstarben sie bei der Chemotherapie, oder die Spenderzellen haben sie getötet. Ich lebe und werde heute (für mich morgen) 30 Jahre alt und dafür sollte man verdammt dankbar sein. Ich habe meine Familie, meine Freunde, meinen Job und meine Hobby‘s, aber trotzdem regt es mich auf, dass mein Körper mir immer und immer wieder ein Bein zu stellen versucht. Egal, ob während der Ausbildung oder jetzt im Alltag. Immer wenn ich denke es geht etwas besser, bekomme ich einen Tritt in die Familienjuwelen und das macht mich zeitweise rasend vor Wut!

Die nächsten 30 Jahre müssen besser werden. Und das müssen sie in der Tat, denn weglaufen oder aufgeben war für mich noch nie eine Option gewesen.